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          Ehrfurcht vor dem Leben        

Albert Schweitzer, 1875 – 1965

Wer viel Schöne im Leben erhalten hat, muß entsprechend viel dafür hingeben.                                 

Man muß lernen mit dem Herzen zu denken.

Das schönst Denkmal, dass ein Mensch sich wünschen kann, steht im Herzen seiner Mitmenschen.

Interpretationen der Schülerinnen:

Wir sollten bereit sein, unser erlebtes Glück zu teilen.

Wie wäre es wenn unser Herz über unser Handeln bestimmen würde?

Ein Mensch lebt ewig, wenn er in dem Herzen anderer einen Platz gefunden hat.                                                       

 

Ausführende Schülerinnen: Esra Güngör, Beatrice Tschenkte  

Linol, Goudy

 

   

                                                                                   
Freiheit 1

 

Die Gedanken sind frei

Clemens Brentano & Achim v. Arnim

Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten?

Kein Mensch kann sie wissen, kein Jäger sie schießen

die Gedanken sind frei.

 

Ich denke, was ich will und was mich beglücket,

Mein Wunsch und Begehren kann niemand verwehren

es bleibet dabei: Die Gedanken sind frei!

 

Teilnehmerinnen: Natalie Ackermann, Jessica Jarosz, Juliane Stehr , Miriam Kleinschmidt

Handschrift, Fraktur und individuelle Handschrift

 

 

 

Und sperrt man mich ein im finsteren Kerker,

das alles sind rein vergebliche Werke

denn meine Gedanken zerreißen die Schranken

und Mauern entzwei: Die Gedanken sind frei.

 

Drum will ich auf immer den Sorgen entsagen

und will mich  auch nimmer mit Willen verklagen

Man kann ja im Herzen, stets lachen und scherzen

und denken dabei: Die Gedanken sind frei.

Ich liebe den Wein, mein Mädchen vor allem

sie tut mir allein am besten gefallen

Ich bin  nicht alleine bei meinem  Glas Weine

mein Mädchen dabei: die Gedanken sind frei!

 

 

Freiheit II

J. W. Goethe: Faust 

MEPHISTOPHELES:

Ich bin ein Teil von jener Kraft,

Die Böses will und Gutes schafft.

FAUST:

Was ist mit diesem Rätselwort gemeint?

MEPHISTOPHELES:

Ich bin der Geist, der stets verneint,

Der Böses will und Gutes meint!

Und das mit Recht; denn alles, was entsteht,

Ist wert, daß es zugrunde geht;

Drum besser wär's, daß nichts entstünde.

So ist denn alles, was ihr Sünde,

Zerstörung, kurz, das Böse nennt,

Mein eigentliches Element.

 

 

Gottfried August Bürger-Münchhausen:

Der Bauer an seinen durchlauchtigen Tyrannen:

Wer bist du, Fürst, daß in mein Fleisch

Dein Freund, dein Jagdhund, angebläut

Darf Klau und Rachen haun?

 

Du, Fürst, hast nicht, bei Egg’ und Pflug,

hast nicht den Erntetag durchschwitzt.

Mein, mein ist Fleiß und Brot!

 

Ha, du wärst Obrigkeit von Gott?

Gott spendet Sege aus; du raubst!

Du nicht von Gott, Tyrann!

 

Teilnehmer:  Constantin Rupp, Andreas Scholl, Vincent Staat

Linol /Schreibmaschinentype

 

 

 

Jahreszeiten

 

Elisabeth Borchers : September             

Es kommt eine Zeit

da hat die Sonne

alle Arbeit getan

die Äpfel sind rot

die Birnen sind gelb

und die Marktfrauen rufen

Pflaumen schöne Pflaumen

 Es kommt eine Zeit

da wird die Sonne müde

und immer kleiner

 

So klein wie eine Orange

die nach Afrika zurückrollt

wie ein Taler

der von einer Hand zu andern wandert

wie der Knopf

vom Matrosenkleid

So klein wird die Sonne,

daß der Himmel sie nicht mehr halten kann

Sie rollt übers Dach

rollt hintern Berg

jetzt kann sie keiner mehr sehen

 

Karl Krolow: Eisblumen

Blumen, zärtlich hingehaucht,
tief vom Frost umfangen,
hold in halbes Licht getaucht,
sind mir aufgegangen.

Ohne Zahl. Sind froh erwacht
aus dem Wintergrunde,
blühen mir zur nahen Nacht
Stunde wohl um Stunde.

Leben leicht und ohne Not
wie die Sommerfalter.
Leise ist ihr Blumentod,
schnell und ohne Alter.


Teilnehmer: Marie Botkowska, Elena Eschrich, 

Carmen Köhler, Nina Robra, Ricarda Robra

Handschrift, Humanistische Antiqua



 

 

 

Krieg und Frieden

Elisabeth Borchers: Eines Tages stand ich...


Eines Tages stand ich am Ufer des Mississippi.
(Keine Erzählung.)
Das Hochwasser führte

(in dem ihm eigenen beschleunigten Fließen)

mit sich 1 gedunsene Kuh 1 gedunsenes Schwein
1 gedunsenen Baum 1 gedunsenen Strauch.
Nicht aber den Dampfer mit Rad.
 
Als ich mich unbeobachtet sah
tauchte ich eine Hand in das Kadaverwasser
meiner Kindheit.
Das ist keine Erzählung.
Das ist der Augenblick.

 

Des Knaben Wunderhorn

Nun du Himmelstaube,
Unser aller Glaube
Nimmt dich zu uns ein;
Wohnest du bei keinen,
Als nur bey den Reinen,
Ach so mach uns rein.
Taubenart
Bringt Himmelfahrt,
Bring uns den lieben Frieden
Von dem Sternen-Hügel
.

 

Richard Huelsenbeck

ENDE DER WELT


 
Soweit ist es nun tatsächlich mit dieser Welt gekommen

Auf den Telegraphenstangen sitzen die Kühe und spielen Schach

So melancholisch singt der Kakadu unter den Röcken der spanischen

Tänzerin wie ein Stabstrompeter und die Kanonen jammern

den ganzen Tag

Das ist die Landschaft in Lila von der Herr Mayer sprach als er das

Auge verlor

Nur mit der Feuerwehr ist die Nachtmahr aus dem Salon zu vertreiben

aber alle Schläuche sind entzwei

Ja ja Sonja da sehen Sie die Zelluliodpuppe als Wechselbalg an

und schreien: God save the king

Der ganze Monistenbund ist auf dem Dampfer „Meyerbeer“ versammelt

doch nur der Steuermann hat eine Ahnung vom hohen C

Ich ziehe den anatomischen Atlas aus meiner Zehe

ein ernsthaftes Studium beginnt

Habt ihr die Fische gesehen die im Cutaway vor der Opera stehen

schon zween Nächte und zween Tage?

Ach Ach Ihr großen Teufel – ach ach Ihr Imker und Platzkommandanten

Wille wau wau wau Wille wo wo wo wer weiß heute nicht was unser

Vater Homer gedichtet hat

Ich halte den Krieg und den Frieden in meiner Toga aber ich ent-

scheide mich für den Cherry-Brandy flip

Heute weiß keiner ob er morgen gewesen ist

Mit dem Sargdeckel schlägt man den Takt dazu

Wenn doch nur einer den Mut hätte der Trambahn die Schwanzfedern

auszureißen es ist eine große Zeit

Die Zoologieprofessoren sammeln sich im Wiesengrund

Sie wehren den Regenbogen mit den Handtellern ab

Der große Magier legt die Tomaten auf seine Stirn

Füllest wieder Busch und Schloß

Pfeift der Rehbock hüpft das Roß

(Wer sollte da nicht blödsinnig werden) 

Teilnehmer:   Carsten Hemerla, Benjamin Weil, Maren Schumacher

                    Verena Seier,  Marisa Klein

Linol / Futura

 

 

 

Freiheit der Poesie


 

Elisabeth Borchers: Schade. Sehr schade

wie der Regen fällt und versinkt
wie auch das Licht
fällt und versinkt.

Sehr schade.

Und die Straße macht einen Knick
dass du entschwindest
fällst und versinkst
wie ein gestern gehörtes
unbegriffenes Wort.


 

Franz Mon

einsilbige eingriffe

in die blanke asche fassen

in die bange asche fassen

in die klamme asche fassen

in die kahle asche fassen

in die schale asche fassen

in die fahle asche fassen

in die straffe asche fassen

in die schlaffe asche fassen

in die glatte asche fassen

in die dralle asche fassen

in die lange asche fassen

in die lahme asche fassen

in die zahme asche fassen

in die warme asche fassen

in die arme asche fassen

in die klare asche fassen

in die karge asche fassen

in die kranke asche fassen

in die ranke asche fassen

in die schlanke asche fassen

in die sanfte asche fassen

in die ganze asche fassen

in die kalte asche fassen

in die alte asche fassen

in die falbe asche fassen

in die falsche asche fassen

in die rasche asche fassen

in die barsche asche fassen

in die krasse asche fassen


in die nasse asche fassen

in die nackte asche fassen

in die matte asche fassen

in die satte asche fassen

in die sachte asche fassen

in die platte asche fassen

in die starre asche fassen

in die sachte asche fassen

in die achte asche fassen

in die wache asche fassen

in die scharfe asche fassen

in die pralle asche fassen

in die halbe asche fassen

in die harte asche fassen

in die zarte asche fassen

in die schwarze asche fassen

 

Teilenehmer: Antonia Führ, Christina Kröpelin, Jan Petersen

                   Alewtina Wirt, Michéle Deuner

Handschrift, Humanistische Antiqua/Kursive