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Bücher bilden Brücken - von Hessen nach Schärding

 

KultA-Seidenbücher schlugen Brücken nach Schärding in Österreich, wo das Projekt im Juni 2008

mit Schülerinnen und Schülern des Bundesgymnasiums in Schärding durchgeführt wurde. 

Texte-Flyer als PDF

Das KultA-Team bei der Festveranstaltung

Eine ausführliche Dokumentation von Klaus Ahlers (Bild oben Mitte) finden sie am Ende der Seite und hier DOKU SCHÄRDING

auf dem Barocken Marktplatz "Silberzeile"

Eröffnung durch Bürgermeister Angerer

Bürgermeister Angerer und  Klaus Ahlers von KultA

Schülerinnen bei der Rezitation

 

Buch: "Wunderwelt-Weltwunder" auf dem Stadtplatz Silberzeile

Schüler und Lehrer auf der Bühne

Buch: "Glaube, Liebe, Hoffnung"

Schulleiter, Lehrer, Schüler und KultA-Mitglieder

Das Albert-Schweitzer-Buch aus Rodgau.

Die Hessischen Bücher waren rund um den barocken Marktplatz

und im Stadtpark über dem Inn installiert.

 

 

 

Dokumentation von Klaus Ahlers:

Wie alles begann

Das erfolgreiche Projekt „Bücher im Wind“, eine Initiative der Künstlerin Tanja Leonhard und Bärbel Armknecht vom Verein KultA e.V. – Kultur im Austausch, durchgeführt an der Claus-von-Stauffenberg-Schule in Rodgau im Jahre 2006/2007 und präsentiert in Seligenstadt am Main sollte als das erste europäische Literaturkunstprojekt seine Fortsetzung finden.

Die von Christo und seinem Projekt „The Gates“ im Centralpark von New York inspirierte Idee durfte kein einmaliges Ereignis bleiben. Das war der Wunsch einer kleinen Gruppe kunstinteressierter Menschen um Bärbel Armknecht.

Die Idee war, aus dem Kunstprojekt eine europäische Initiative zur Völkerverständigung unter Jugendlichen mit künstlerischen Gestaltungsmitteln zu machen.

Anlässlich eines Besuchs des Ehepaares Armknecht im Oktober 2007 in Schärding entstand die Vision, die ausgefallene Kunstinstallation vor der barocken Silberzeile wehen zu lassen. Dieser Gedanke ging Bärbel Armknecht nicht mehr aus dem Kopf.
Die ersten Kontakte wurden aufgenommen. Auf Schärdinger Seite wollte der Funke jedoch nicht sogleich überspringen. Es bedurfte mehrerer Gespräche und einer umfangreichen Dokumentation des Projektes „Bücher im Wind“ sowie der Aushändigung eines fertigen Buches.   

Bei Frau Prof. Mag. Gaby Angerer-Buchegger vom Bundesgym-nasium Schärding, Frau Keppel von der Stadtbücherei und Frau Stockinger, Mitarbeiterin im Rathaus der Stadt fand sie schließlich die notwendige Begeisterung für die Durchführung des Projektes.Vorarbeiten am Bundesgymnasium

Unter Leitung der Deutschlehrerin Frau Angerer-Buchegger wählte eine Gruppe von 15 Schülerinnen und Schülern der 5. Klasse Texte österreichischer Autoren für die spätere Bucherstellung aus.

Zusätzlich wurden Zitate des großen Humanisten und Gelehrten Albert Schweizer ausgesucht und interpretiert.

Am 23.6.2008  startete eine Gruppe von 6 KultA-Mitgliedern, die
Künstlerin Tanja Leonhardt und Frau Sallatsch vom Albert Schweitzer Zentrum, Frankfurt, unserem wichtigsten Sponsor, in Richtung Schärding.
Quartier wurde in Kirchham in Niederbayern in einer einem Schloss nachempfundenen Wohnanlage bezogen. Von dort ist es nur eine halbe Stunde Fahrt nach Schärding.


               Die Projektwoche im Bundesgymnasium Schärding in Oberösterreich – der erste Tag am 24.6.2008

Tanja Leonhardt, dipl-art. Universität Mainz, beginnt ihre Einführung mit Texten, die von den Schülern in 3 unterschiedlichen Geschwindigkeiten geschrieben werden. Danach gibt es noch Übungen „Schreiben mit der linken Hand“ und mit geschlossenen Augen.



Die Schüler machen die Erfahrung, was kann ich, wenn die eingeübten Mechanismen ausgeschaltet sind. Diese Erfahrung löst allgemeine Heiterkeit aus und lässt die Schüler hoffen, dass die Projektwoche neben Arbeit auch Spaß bringen wird.

        Als nächstes – schon etwas lockerer – wird mit Holzspan und Tinte geschrieben. Bei diesen praktischen Versuchen als Teil der theoretischen Vorbereitung wird das kreative Moment sichtbar.

        Den Schülern wird ein fertiges Seidenbuch der Schüler der Claus-von-Stauffenberg-Schule gezeigt. So können sie mit der Vorstellung von den Ergebnisses ihrer eigenen Arbeit den ersten eigenen Gedanken und Ideen freien Lauf lassen.

Die Bücher, die die Schüler erstellen, bekommen die Titel:

1.)
Respekt und Toleranz
    Schrift: Grotesk I

2.) Glaube, Liebe, Hoffnung
     Schrift: Serifen Antigua
 

3
.) Humanität und Frieden
     Schrift: Stege

4.) Recht + Gerechtigkeit
     Schrift: New Courier

5.) Wunderwelt – Weltwunder
     Schrift: Stencil

 

        Die Texte werden besprochen, von den Schülern erstmals vorgetragen, Buchstaben ausgeschnitten, um den räumlichen Abstand innerhalb der Worte zu üben, Schriftzüge im Linoldruck ausgesucht – sie sollen zum jeweiligen Text passen.
Die ersten Versuche werden auf Papier gedruckt. Die jungen Künstler gehen mit sehr viel Mut und einer bewundernswerten Ruhe an die Sache heran. Unermüdlich arbeiten sie bis weit über den üblichen Schulschluss
hinaus.

      


Das KultA-Team ist begeistert.


                Der zweite Tag am 25.6.2008
 
Die Schüler sind inzwischen mit der Theorie und dem Thema vertraut. Heute schreiten sie zur Tat.
Zuerst nehmen sie die Buchstaben der von ihnen ausgesuchten Schrifttypen – einige müssen noch im Linolschnitt hergestellt werden. Dann wird der Arbeitsplatz mit Seidenpapier ausgelegt. Auf diesem ziehen sie sich Linien und vermessen den Seitenabstand. Der große Moment kommt, die Seidenseiten werden auf Tische gespannt.


Da schlägt dem einzelnen das Herz schon etwas schneller als normal. Doch sobald die ersten Wörter auf dem Tuch erscheinen, geht eine Erleichterung durch die Gruppen. Es sind 5 Teams mit je drei Schülern.
Im Hintergrund gibt es Vorbereitungen zur Gestaltung der Buchcover. Sie sollen für jedes Buch in unterschiedlicher Farbe eingefärbt werden.
Langsam löst sich die Spannung und die Stimmung wird gelöst. Als die ersten beiden Seiten fertig und zum Trocknen an die Wand gehängt werden, kommt bei allen Freude auf.


Zum Cover werden je zwei Bänder mitgefärbt, die für die spätere Aufhängung gebraucht werden.
Auf 3 Liter Wasser kommt ein Beutel Farbe, fixiert wird mit 2 Esslöffel Salz und 1 Schuss Essig.

Der Verbrauch der Einmalhandschuhe ist groß. Sie sind notwendig, damit keine Farbflecken auf die Seide gelangen und die Hände sauber bleiben. Beides gelingt nicht immer.

 

 

 Der dritte Tag am 26.6.2008 

An diesem Morgen blicken die Schüler voller Stolz auf die ersten selbstgeschaffenen Werke.

 

Heute werden die eingefärbten Cover gestaltet. Die Schüler entwerfen sehr selbstständig und experimentieren dabei.
Da die Teams unterschiedlich schnell fertig werden, fangen einige schon an, die Texte für das Event am 3.7.2008 zu üben. Das „Erste Europäische Literaturkunstprojekt“ soll einen entsprechenden und würdigen Rahmen bekommen.

Das KultA-Team entwirft mittlerweile die Urkunde, die jeder Schüler bekommen soll. Der endgültigen Gestaltung geht eine lebhafte Diskussion voraus.
Heute stoßen gegen Abend unsere ehemaligen Schülerinnen Eugenia und Eva zu uns.

 

Der vierte Tag am 27.6.2008 

Die Seiten sind fertig und trocken, die fertigen Cover liegen auf den Tischen. Die Schüler bewundern sie noch einmal und sind zu recht stolz auf ihre Arbeiten.
Die Fotos, die während der ganzen Zeit „geschossen“ wurden und das Projekt im Bild dokumentieren, sind als Diaschau auf dem PC zu sehen.
Die Texte werden noch einmal eingeübt und vorgetragen.
Zwei Abiturienten aus Deutschland, die an dem Projekt „Bücher im Wind“ als Schüler mitarbeiteten stellen sich vor.
Mit einem „Dankeschön“ für die gute Zusammenarbeit  geht die Projektwoche zuende

Die Schüler bekommen als Anerkennung eine Urkunde und ein kleines Buch aus Porzellan mit der „Silberzeile“ aus Schärding als Buchdeckel und Rückseite, gemalt von der Künstlerin Tanja Leonhardt. Wenn wir von KultA in die Gesichter der Schüler sehen, erkennen wir, dass ihnen das Projekt Spaß gemacht hat und uns von KultA haben Schärding und seine Schüler gut getan.

Ein Teil des KultA-Teams tritt den Heimweg an. Es nimmt die Seidenseiten mit zum Zusammennähen in Rodgau.

Eugenia und Eva beweisen, dass sie mit der Bohrmaschine umgehen können.
Die Bambusstäbe zwischen die die neuen Bücher der Schärdinger Schüler gespannt werden sollen, müssen mit Löchern versehen werden. Anschließend folgt die Vorbereitung und Teilmontage der Abspannseile.

 

 

Montag, 30.6.2008

Mit tatkräftiger Unterstützung durch Herrn Alois Bauer und seiner Crew vom Bauhof der Stadt Schärding werden die Seidenbücher aus dem Vorprojekt an exponierten Plätzen in Schärding aufgehängt, wo sie bis zum 11. Juli ausgestellt bleiben sollen.

Hoch über der alten Innbrücke werden zwei Fahnenmasten aufgestellt, zwischen denen ein Buch die Anreisenden grüßen soll.
Im Schlosspark muss ein dicker Ast weichen, damit der Blick auf die dort aufgehängten Bücher nicht verstellt wird.
Beim Aufhängen des einen Buches in der Innbruckstraße kommt sogar die Feuerwehr mit einem Hebekran zum Einsatz.

         

Vor dem Heimathaus müssen wir warten bis die Gäste aus ihrem Zimmer im "Hotel Zur Stiege" ausgezogen sind bevor das Buch mit dem Porträt von Albert Schweitzer von dort zur Volksbank gespannt werden kann.
Gegen Mittag ist die Aktion beendet. Die Männer vom Bauhof haben ganze Arbeit geleistet.

 

Dienstag, 1.7.2008

Bei strahlendem Sonnenschein und unter sengender Sonne bauen wir die Seidenbücher in ihre Trapezschaukeln aus Bambusstäben und dünnen Seilen ein. Sie sind überwältigend schön geworden.
Dabei erweisen sich Anne, Eugenia und Eva erneut als geschickte Handwerkerinnen, als sie die Seidenbahnen zwischen den Bambus-stäben mit Schnüren zur Vormontage  im Schlosshof von Kirchham aufhängen.  


Mittwoch, 2.7.2008

Wieder einmal führt uns der Weg früh am Morgen nach Schärding. Herr Bauer und seine Mannen haben um 8 Uhr früh schon die Fahnenmasten vor der Silberzeile aufgestellt. Sie stehen zum Auf-hängen der Bücher in einem Abstand von nur fünf Metern. Das hat uns genötigt, unser bisherige Konstruktion zu modifizieren und die Abstände der Bambusstäbe von den Seidenbahnen innerhalb der Schaukeln zu verkürzen. Mit Hilfe eines Hebekrans sind die Bücher am Vormittag aufgehängt. Sie bilden eine wundervolle Ergänzung zu den Blumenkübeln vor den 18 Barockhäusern der Silberzeile.
Der Anblick dieses Platzes macht die Wahl der Österreicher bei einer Internetbefragung, die Schärdings Silberzeile zum "österreichischen Weltwunder" kürten, verständlich

 

   

 

Donnerstag, 3.7.2008

Heute ist es so weit! Mit dem abschließenden Event geht das Projekt "Bücher bilden Brücken" seinem Höhepunkt entgegen.
Früh am Morgen treffen die beteiligten Schüler, Frau Angerer-Buchegger und das KultA-Team auf dem Marktplatz ein.

Das Lampenfieber vor dem Auftritt ist allen anzumerken.
Die Bühne für die Rezitationen und die Begleitmusik wurde bereits am Vortag aufgebaut. So können die Schüler ihre Texte schon einmal ohne großes Publikum und mit Mikrofon rezitieren. Frau Angerer-Buchegger gibt letzte Regieanweisungen.


Vor der Silberzeile herrscht reges Treiben. Es ist Wochenmarkt und die Bürger der Stadt und Touristen tätigen ihre Einkäufe. Über ihren Köpfen wehen die Seidenbücher der Schüler. So manch ein Marktbesucher bleibt unter ihnen stehen und versucht die Texte der im leichten Winde wehenden Seidenbahnen zu entziffern.
Langsam füllt sich der Platz. Die Schüler der anderen Klassen sind zum Schuljahresabschluss gemeinsam mit ihren Lehrern von der Schule zum Marktplatz gewandert.
Die Sonne heizt die aktiv Beteiligten und auch die Besucher schon kräftig auf. 


 

Aus Wien ist eine Abordnung der österreichischen Albert-Schweitzer-Stiftung angereist.

Der Bürgermeister, Herr Angerer und der Rektor, Herr Prof. Hager halten ihre Ansprachen und geben ihrer Begeisterung über das Projekt beredten Ausdruck. Danach dankt Bärbel Armknecht allen Beteiligten für ihr Engagement und bringt die große Freude zum Ausdruck, die wir alle in den vergangenen Wochen empfanden.
Sie schließt mit den Worten "Schärding tut gut!"
Frau Sallatsch von der Albert-Schweizer-Stiftung schließt den Reigen der Rednerinnen und Redner.

Danach sind die Schüler an der Reihe. Sie rezitieren die von ihnen ausgewählten und auf Seide gedruckten Texte, interpretieren die Inhalte und stellen die Autoren vor.

Zwischen den fünf Gruppen lockert Musik auf dem Keyboard die Veranstaltung auf.
Mit dem Heimatlied Oberösterreichs und einem Gruppenfoto der Projektgruppe endet die Veranstaltung nachdem sich das KultA-Team für die wunderbare Zusammenarbeit bedankt hat. Die Schüler können endlich in die ersehnten Sommerferien gehen.

Bei einer echt österreichischen Süßspeise auf der Terrasse der Orangerie Schärdings lassen wir die Ereignisse zusammen mit dem Bürgermeister Angerer und seiner Frau Angerer-Buchegger und einigen Schülern, die sich zufällig auch dort eingefunden haben noch einmal vor unserm geistigen Auge ablaufen.
Alle sind überzeugt, dass sich das Projekt gelohnt hat. Die Gastfreundschaft und Unterstützung durch die Schärdinger Partner war für uns KultA-Mitglieder überwältigend. Der Dank der Schüler beim Abschied vor der Orangerie hat uns sehr berührt und uns Mut gemacht, das Projekt "Bücher bilden Brücken" weiterzuverfolgen.