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Einladungs-Flyer für den 10. 5.

ainmal nur das alphabet gebrauchen

oder

wie beschafft man wörter, deren beschaffenheit nicht bekannt ist?

fragt der 1926 in Frankfurt a.M. geborene Künstler Franz Mon in seinem Text: die „beschaffenheit von wörtern“ (1973).

Franz Mons Arbeiten werden der „Konkreten Poesie“ zugeordnet, womit man eine Kunstrichtung zu umfassen versucht, die eine vitale Verbindung zwischen dem Wort und seiner schriftsprachlichen Erscheinungsform, der Typografie, sieht.

Dementsprechend setzen sich seine Gedichte oft aus räumlich angeordneten Buchstaben zusammen, die nicht immer auch zu ganzen Wörtern nebeneinandergestellt werden können. Die Texte erscheinen häufig extrem reduziert, was verstehbar wird, wenn man sich Mons Postulat vor Augen hält: es kommt nicht auf die menge der inhalte an sondern auf das verhältnis von zeichenaufwand und realisierbaren beziehungen.

Was aber meint Franz Mon mit dem abstrakten Ausdruck „zeichenaufwand“? Dies wird beim Eintreten in den Wortgarten kinderleicht erfahrbar und zunächst ganz konkret als der Energieaufwand verstanden, den es bereitet, eine schwere Holzskulptur zu finden und herbei zu tragen: "Wo fasse ich sie am besten an, und schaffe ich das allein, oder brauche ich vielleicht Hilfe? Ich könnte mir einen Splitter holen, oder der Buchstabe fällt mir auf den Fuß..."

Umgang mit Sprache birgt Risiken, wird gewichtig und als solches körperlich erfahrbar. Worte werden nicht mehr leichtfertig verwendet und wieder abgetan. Mit einem Male sind alle Sinne am Spiel beteiligt und der ganze Mensch textet.

In der Skulpturengruppe der Schriftkünstlerin Tanja Leonhardt besitzt KultA e.V. ein ästhetisches Instrument um sich ganz im Sinne Franz Mons wörter zu beschaffen –  eine „wörterbeschaffungsmaschine“. Oder auch ein „reduzierinstrument“, durch dessen Membranen vergnügt die Inhalte diffundieren.

Im Nachmittagsworkshop zum Tag der Hessischen Literatur will KultA e.V. gemeinsam mit einer Schülergruppe im Sinne Franz Mons Buchstabenbilder schaffen, die von Zeichenbeziehungen erzählen. Der Dichter selbst wird die Schüler zuvor mit seinem Werk und seinem speziellen Umgang mit Sprache vertraut machen. (siehe unten) Der Denkansatz „Konkreter/Visueller Poesie“ und ihre Wurzeln im Dada werden den Schülern bei einer Einführung mit Tanja Leonhardt im Offenbacher Klingspor-Museum nahe gebracht. Museumsleiter Stefan Soltek öffnet schließlich das Archiv für die Schüler und zeigt ausgewählte Beispiele konkreter Poesie. Unterstütz und begleitet durch Mitglieder des Vereins KultA e.V. wird das Tun der Schüler sanft in vielversprechende Richtungen gelenkt, wenn das eigene Schaffen im Hof des Büsing-Palais mit der Skulpturengruppe beginnt. Wichtig: Prozesse und Ergebnisse werden fotografisch und filmisch dokumentiert und später ausgestellt.

wie beschafft man wörter, deren beschaffenheit nicht bekannt ist? Eine Antwort finden wir vielleicht im Buchstabenpark.

„unaufhörlich geraten Wörter aus ihrem Zusammenhang, verlieren den halt, den ihnen die brauchbarkeit gegeben hatte, purzeln uns zwischen die fuße und verschwinden zwischen erinnerungen, die niemand mehr hat. die masse des unbrauchbaren nimmt rapide zu ... besät von gebrauchsspuren, die sich manchmal entziffern lassen, oft aber undeutlich sind und bereits die gestalt des dings verformt, wenn nicht versteckt haben, diese in unserer Zivilisation ständig anfallenden Sachen, die mir ins äuge fallen, weil sie aus ihrem Verwendungszusammenhang herausgefallen sind, erscheinen mir nicht als bilder sondern als eine art von gedichten, die sich in sehr großer entfernung befinden und daher nur mehr sichtbar jedoch nicht hörbar oder lesbar sind".                                                                                                                                 Franz Mon  

  Video zu "ainmal nur das alphabet gebrauchen"

Am 28. April arbeiteten die Schüler des Literaturkurses der Rudolf-Koch-Schule mit Franz Mon im Wortgarten:
  
Leider spielte das Wetter nicht so ganz mit, beim Spiel mit den Lettern vergaßen alle Beteiligten jedoch schnell den launischen April. Der Hintergrund mit Blümchen war den Wortschaffenden nicht sehr angenehm. Daher zog man bald auf die Treppen des Büsing-Palais um.

 

Franz Mon macht die Schüler auf Raumforderungen, Zeichenabstände, Zeichenbeziehungen aufmerksam.

 

Klicken Sie hier um Videos zusehen, die auf Anregung von Franz Mon hin entstanden sind:

1. "Anagramm"

2. "Roundabout"

 

Genaues Hinsehen  - Franz Mon erkennt und analysiert die Situationen mit treffsicherem Gespür. Die Schüler folgen  seinen Anregungen und Einwänden, da der Autor gut erklärt und überzeugende Begründungen liefert.

Franz Mon macht die Schüler u.a. darauf aufmerksam, dass sie im Wortgarten als Team agieren und sich absprechen müssen.

Im theoretischen Unterricht lernten die Schüler zunächst etwas über Alphabetgedichte. Dies sind Wortabfolgen, die mit ihren Anfangsbuchstaben dem ABC folgen. Demgemäss nahm sich die Gruppe als Probearbeit ein Alphabetgedicht vor. Das erste Wort - angeregt durch Franz Mon - lautete "ABRAHAM". Wobei sein Augenmerk auf Wortklang, -länge und Buchstabenpräsenz lag.

 

wir blieben im Alten Testament: aus ABRAHAM wird BABYLON - 

Kritische Betrachtung aus der Ferne 

Umbau
nach CAESAR folgte ESTHER
 

die beschaffenheit von wörtern 

(8 von insges. 29 Fragen von Franz Mon)

1 wie beschaffen müssen wörter sein?

2 müssen wörter beschaffbar sein?

3 wie beschaffen müssen wörter sein, damit man sie beschaffen kann? 

4 wie beschafft man wörter, deren beschaffenheit nicht bekannt ist?

5 wie lassen sich wörter beschaffen, die sich noch nie haben beschaffen lassen? 

6 worin besteht die beschaffenheit eines wortes, das noch nie beschafft werden konnte?

22 lohnt sich die anschaffung von wörtern, deren beschaffenheit ganz genau bekannt ist?

27 wie beschaffen muß ein wort sein, das seiner abschaffung denselben widerstand entgegen setzt wie seiner anschaffung?

 

Franz Mon hat mit seiner außerordentlichen  Präsenz und der Klarheit seiner Gedanken die KultA-Mitglieder tief beeindruckt.
________________________ Tag der Literatur 09
Zuvor war die Schülergruppe bei der Künstlerin Tanja Leonhardt zu Besuch und konnte dort ersten Kontakt zu den Skulpturen aufnehmen. 

 

                       

                                                

Kettensägen-Vorführung inklusive!